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Cerny fordert Maßnahmen wie in Deutschland

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Der Herbst kommt – und mit ihm die nächste Corona-Welle. Im Bild: Touristen geniessen einen sonnigen Tag auf Pilatus Kulm.

Die Zahl der Corona-Fälle steigt wieder. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldete am Dienstag 25’134 neue Covid-Infektionen. Im Vergleich zur Vorwoche sind es rund 49 Prozent mehr. Auch die Krankenhauseinweisungen sind im Vergleich zur Vorwoche um fast 37 Prozent gestiegen. Müssen wir uns erneut an die Maßnahmen anpassen?

Entscheiden sollen am Ende die Gesundheitsämter, sagt Huldrych Günthard (61), Infektiologe am Universitätsspital Zürich. Ob man die Gesellschaft etwa vor Long Covid schützen will, spielt auch eine Rolle. Fakt ist, dass derzeit die Kantone für die Massnahmen zuständig sind – sie werden voraussichtlich nicht vor dem 21. Oktober entscheiden. Dann findet die nächste Vorstandssitzung der Kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) statt.

Tanner warnt vor Schreckszenarien

Das bedeutet: Alltagsverantwortung ist heute Eigenverantwortung. „Wenn man sich schützen will, ist es sinnvoll, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder an anderen stark frequentierten Orten wieder eine Maske zu tragen“, sagt Günthard. Auch der Basler Epidemiologe Marcel Tanner (70) sagt: «Menschen können viel tun, indem sie ihre Hände desinfizieren, gezielt Masken tragen, engen Kontakt reduzieren und lüften.»

Im Moment sei es wichtig, die Lage zu beobachten – und schon gar keine Angstszenarien zu verbreiten, sagt Tanner. Die Infektionen nehmen wieder zu, neue Massnahmen sollten aber erst diskutiert werden, wenn schwere Erkrankungen zunehmen und das Gesundheitssystem wieder überfordert ist, so der Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz.

Umfassende Massnahmen in der Schweiz sind unwahrscheinlich

Ganz anderer Meinung ist der Infektiologe Andreas Cerny (65) aus Lugano. Angesichts der steigenden Fallzahlen und des sinkenden Impfschutzes unterstützt er die Maßnahmen, die in Deutschland seit dem 1. Oktober gelten: In öffentlichen Verkehrsmitteln, Krankenhäusern und Arztpraxen gilt eine Maskenpflicht. „Eine Anwendung in geschlossenen engen Räumen, in denen sich viele Menschen aufhalten, ist ebenso sinnvoll wie ein kurzes regelmäßiges Lüften in engen Räumen“, sagt Cerny.

Infektiologe Günthard geht aber davon aus, dass in der Schweiz keine flächendeckenden Massnahmen eingeführt werden. „Es sei denn, die Situation wird wieder so schlimm, dass wir keine Wartungsarbeiter, Lehrer oder Straßenbahnfahrer mehr haben.“

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Für den Winter ist noch nicht alles klar

Der Infektiöse Günthard favorisiert deshalb einen anderen Verstärker. Es wird derzeit nur für Personen über 65, Risikopatienten und Schwangere empfohlen. Wenn diese Menschen geimpft werden und auch eine Grippeschutzimpfung bekommen, kann der Druck auf die Krankenhäuser deutlich reduziert werden. Auch Krankenhausmitarbeiter könnten sich mit einer zweiten Wiederholungsimpfung schützen und so eine Ansteckung vermeiden.

Für alle anderen ist die zweite wiederkehrende Nutzung optional. Dennoch hofft der Infektiologe, dass sich viele Menschen impfen lassen, um die rollende Welle zu brechen. Schließlich würde eine Impfung bessere Voraussetzungen schaffen, um den schweren Krankheitsverlauf zu vermeiden. „Wir sollten versuchen, eine möglichst hohe Impfquote zu erreichen“, sagt Günthard.

„Corona ist nicht nur Grippe“

Auch Tanner sieht das anders: Er befürwortet eine zweite Auffrischungsimpfung für Patienten über 65 und Risikopatienten. Angesichts des hohen Immunitätsniveaus – sei es durch Impfung oder Infektion – ist er nicht der Meinung, dass jeder neu gestärkt werden sollte. Zudem sind derzeit zirkulierende Virusvarianten hochansteckend, führen aber in der Regel nicht zu schweren Erkrankungen.

Trotz milderer Kosten sei es wichtig, nicht in Gleichgültigkeit zu verfallen, argumentiert Günthard: „Corona ist nicht nur die Grippe.“ Deshalb ist es nach wie vor wichtig, sich testen zu lassen oder Ihren Hausarzt aufzusuchen, um herauszufinden, ob Sie sich mit der Grippe oder dem Coronavirus angesteckt haben. Dies gilt insbesondere für ältere Menschen und Menschen mit Risikofaktoren. Es gibt Medikamente gegen Corona, die vor einem schweren Verlauf schützen können, sie müssen aber frühzeitig eingenommen werden.

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