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Hersteller von Werbeblockern stimmen den neuen Spezifikationen von Chrome zu

Über Googles Manifest V3, das ab 2023 den Umfang von Chrome-Browser-Erweiterungen regeln soll, sind Werbeblocker-Macher nicht erfreut, können sich aber offenbar damit abfinden. Auf dem Ad-Filtering Dev Summit am Mittwoch und Donnerstag in Amsterdam tauschen sich Entwickler und Hersteller über Neuerungen und vergangene Themen aus.

Erst kürzlich hat Google den zukünftigen Zeitplan für das angekündigte Ende der bisherigen Erweiterungsplattform im Jahr 2018 geklärt. Daher wird die Unterstützung für alte Browsererweiterungen nicht plötzlich enden. Stattdessen sollte es eine längere Übergangsfrist geben.

Langsam eingeführt

Ab Januar 2023 wird die neue Plattform in den Chrome-Kanal integriert, aber Post-Manifest-V2-Erweiterungen werden nur für eine kleine Anzahl von Benutzern deaktiviert. Die stabile Version von Chrome soll erst im Sommer folgen – auch hier sollen Updates nur nach und nach veröffentlicht und mit Feedback von Entwicklern und Nutzern gerechnet werden. Wenn alles nach Plan läuft, werden alte Erweiterungen Anfang 2024 aus dem Chrome Web Store verschwinden.

Notwendig war die Reform unter anderem, weil sich der Online-Shop immer wieder als Angriffsvektor für Malware bewährt hat: Häufig fallen Erweiterungen auf, die Nutzerdaten stehlen oder auf andere Weise illegale Geschäfte machen. Dem erneuten Missbrauch will Google mit einer ausgeklügelteren Architektur begegnen, die es Nutzern ermöglicht, Erweiterungsberechtigungen gezielt einzuschränken. Zudem macht sich Google zunehmend Sorgen um die Performance seines Browsers.

Weniger Regeln

„Es ist ein ehrenwertes Ziel“, gab Andrei Meshkov, Leiter der Adblocker-Entwicklung von Adguard in Amsterdam, zu. Allerdings traten Probleme auf, als die firmeneigene Browser-Erweiterung auf Manifest V3 implementiert wurde.

Zukünftig eingeschränkte Möglichkeiten, insbesondere bei Inhaltsfiltern, sind seit Jahren umstritten. Pro Blocker sind 30.000 einzelne Regeln erlaubt. Eine Erweiterung kann mit 50 Regelsätzen ausgestattet werden, es können jedoch maximal 10 Regelsätze gleichzeitig aktiv sein. Adguard-Entwickler konnten dies akzeptieren, auch wenn es ihnen schwer fiel. Bis heute gibt es 2.000 verschiedene Filterlisten, die oft von Freiwilligen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus waren die Filterlisten im Laufe der Jahre angewachsen, als die Werbebranche gegen Werbeblocker kämpfte.

Die Anpassung wurde erleichtert, indem Filterregeln in zwei unterschiedliche Kategorien eingeteilt wurden: Die eine greift direkt in den Datenverkehr des Browsers ein, die andere regelt die Anzeige der Ergebnisse, etwa das Ausblenden bestimmter CSS-Objekte. Erste Bemühungen, die bestehenden Filterlisten zu bereinigen, waren erfolgreich: Netzwerkregeln wurden halbiert und Anzeigeregeln um ein Drittel reduziert. Meshkov glaubt, dass gelegentliche Benutzer den Unterschied wahrscheinlich nicht bemerken werden, aber ambitioniertere Benutzer müssen auf Funktionalität verzichten.

Schwere Upgrades

Allerdings gibt es bei den Updates ein ungelöstes Problem: Filterlisten können unter Manifest V3 nicht mehr wie bisher dynamisch nachgeladen werden. Da Filterlisten jedoch normalerweise täglich aktualisiert werden müssen, um mit defekten Websites fertig zu werden, müsste täglich eine neue Version der Adblocker-Erweiterung hochgeladen werden, was angesichts der strengeren Genehmigungsverfahren von Google illusorisch erscheint.

Obwohl es technische Lösungen für dieses Problem gibt, müssen zumindest die einzelnen Regeln, die Fehler verursachen, deaktiviert werden. Welche Innovationsprozesse sich als machbar herausstellen, muss sich allerdings noch in der Praxis erweisen. Auf der Konferenz versprachen Google-Mitarbeiter die Einbindung von User-Scripts. Darüber hinaus wird an Prozessen gearbeitet, um unkritische Updates zu ermöglichen, die die Kernfunktionalität der Erweiterung nicht schneller ändern.

uBlock empfiehlt Firefox

Der nicht-kommerzielle Werbeblocker uBlock Origin hat inzwischen eine V3-Version herausgebracht, ist aber vom Funktionsumfang enttäuscht und empfiehlt stattdessen den Einsatz des Filters in Firefox.

Google kündigte Manifest V3 auf dem Ad-Filtering Dev Summit an: Die neue Plattform gibt Entwicklern von Erweiterungen Zugriff auf Dinge wie die Seitenleiste. Zudem sollen die neuen Schilder für neues Vertrauen in den Onlineshop sorgen. Künftig werden nicht nur einzelne Erweiterungen besonders gekennzeichnet, wenn Entwickler alle Qualitätsanforderungen erfüllen, sondern alle ihre Erweiterungen können als „Established Publisher“ gekennzeichnet werden.

Was nun?

Angesichts des großen Marktanteils von Chrome scheinen Werbeblocker keine andere Wahl zu haben, als die Bedingungen zu akzeptieren – obwohl Meshkov gedroht hat, dass Hersteller auch ihre eigene Version von Chromium und dem Brave-Browser als sicheren Hafen für die vorgeschlagenen V2-Erweiterungen erstellen könnten.

Gleichzeitig fördert Google eine konzertierte Anstrengung, um eine Erweiterungsplattform für alle Browser bereitzustellen. „Im Moment fühlt es sich an wie in den Anfängen des World Wide Web“, sagte Simeon Vincent von Google. Obwohl fast alle einen ähnlichen Zweck haben, können Entwickler immer noch nicht für eine einzige Plattform entwickeln. Aus diesem Grund wurde im vergangenen Jahr die Webextensions Community Group gegründet, in der sich Chrome-, Safari-, Firefox- und Edge-Entwickler darüber austauschen, wie eine solche einheitliche Plattform gefördert werden kann. Vincent betonte, dass in diesem Prozess auch das Feedback der einzelnen Entwickler wichtig sei.

Ob Google bereit ist, dem sehnlichen Wunsch der Adblock-Entwickler nach Erweiterungen für Android im mobilen Chrome-Browser nachzukommen, ließen die Mitarbeiter des Unternehmens jedoch offen.

(seufzen)

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