Home » Mietrecht: Die Wohnung ist zu kalt – ein Experte erklärt, wie Sie sich schützen können
Switzerland

Mietrecht: Die Wohnung ist zu kalt – ein Experte erklärt, wie Sie sich schützen können

Veröffentlicht am 5. Oktober 2022, 4:49 Uhr

Mietrecht: Die Wohnung ist zu kalt – ein Experte erklärt, wie Sie sich schützen können

Um zusätzliche Kosten zu sparen, entschied sich ein Vermieter, die Heizung für alle Mieter abzuschalten. Dafür teilt er sich einen Elektroherd. “Es macht keinen Sinn”, sind sich Experten einig.

1/8

Wer seine Wohnung über 21 Grad heizen möchte, muss auf Elektroheizungen St. In einem Mehrfamilienhaus im Kanton Gallen.

20 Minuten / Simon Glauser

Ohne Rücksprache mit den Mietern entschied der Vermieter, die Heizung auf 21 Grad zu begrenzen.

20 Minuten / Simon Glauser

Mieter zahlen geringere Heizkosten, können ihre Wohnung aber nicht mehr individuell auf die Wunschtemperatur heizen.

20 Minuten / Simon Glauser

  • Um Nebenkosten zu sparen, regelte der Vermieter in allen Wohnungen die Heizung auf 21 Grad herunter.

  • Das liegt zwar noch im erlaubten Rahmen, aber dass der Hausbesitzer in allen Wohnungen Elektroöfen installiert hat, ergibt für die Experten keinen Sinn.

  • “Das ist, als würde man versuchen, ein Feuer mit Öl zu löschen. Elektroöfen sind viel wirkungsloser als Gasheizungen”, sagt Michael Töngi, Nationalrat der Grünen und Vizepräsident des Schweizerischen Mieterbundes.

Gut gemeint, schlecht gemacht. Dies soll für eine Maßnahme gelten, die ein St. Der Vermieter aus dem Kanton Gallen hat sich für seine Liegenschaft entschieden: «Um die Kosten in der kommenden kalten Jahreszeit unter Kontrolle zu halten, habe ich mich entschieden, die Heizung auf maximal 21 Grad aufzudrehen», kündigte er Mitte Juli an. September in einem Brief, der für 20 Minuten zur Verfügung stand, zwei in größeren Wohnungen, damit bei Bedarf eine individuelle Heizung angefertigt werden kann.“

Aus Sicht der Mieter kann diese Maßnahme sinnvoll sein: Die Heizkosten, die sich die Mieter bisher teilen, werden eingespart, egal wie warm sie ihre Wohnung tatsächlich heizen. Und wem kalt ist, der kann auf eigene Kosten mit Strom heizen.

“Der Mieter hat das Recht auf eine warme Wohnung”

Habe ich als Mieter Anspruch auf eine warme Wohnung?Ja, 20 bis 21 Grad, ältere Menschen höchstens sogar 22 Grad. Auch zu Beginn der Heizperiode muss die Heizung eingeschaltet sein. Die Heizperiode beginnt, wenn die Temperatur sinkt. Dies war bereits Mitte September 2022 der Fall.

Was tun, wenn der Vermieter die Heizung nicht anmacht und es in der Wohnung nur 17 oder 18 Grad sind: Erst einmal anrufen und nach einer Reparatur fragen. Wenn nichts passiert, empfiehlt es sich, möglichst viele Mieter zu motivieren, die Verwaltung anzurufen. Reagiert die Verwaltung nicht auf Anrufe und E-Mails, kann ein Einschreiben mit dem Hinweis, dass dieser fehlt und die Miete gekürzt werden muss, hilfreich sein. Die Erfolgsaussichten einer solchen Anfrage können beim Wiederanlauf der Heizung überprüft werden.

Muss ich höhere Nebenkosten tragen, auch wenn ich die Heizung noch nicht eingeschaltet habe?Ja. Bei Mehrfamilienhäusern ohne individuelle Heizkostenabrechnung werden die Heizkosten nach der beheizten Fläche verteilt, nicht nach dem Verbrauch. Doch auch individuelle Heizkostenabrechnungen können täuschen. In offenen Wohnräumen ist der Wärmeverbrauch höher, ohne dass die Temperatur höher ist. Bei hohen Energiekosten kann es sinnvoll sein, mit den Nachbarn über die Energieeinsparvorschläge der Bundesregierung zu sprechen.

Walter Angst ist verantwortlich für die Kommunikation des Zürcher Mietervereins.

HEV Zürich

„Heizen mit Strom ist viel weniger effizient“

Michael Töngi, Landesrat der Grünen und Vizepräsident des Mieterbundes, sagt: «Glücklicherweise ist es nicht oft vorgekommen, dass die Verwaltung oder der Vermieter die Heizung abstellt oder das Gas abstellt. Allerdings haben wir aus verschiedenen Quellen gehört, dass vor allem ältere Menschen Heizstrahler kaufen wollen, weil sie befürchten, dass die Wohnungen im Herbst und Winter kalt werden.» Laut Töng sollten sich Vermieter und Mieter zusammensetzen und individuell schauen, wo die Heizung begrenzt werden kann. “Der Vermieter allein ist keine gute Lösung.”

Denn Kaminöfen oder elektrische Heizstrahler sind deutlich ineffizienter als eine Gasheizung. «Das Problem der Aufteilung der Heizkosten muss endlich angegangen werden», sagt Töngi. „Wenn alle die gleichen Kosten für Gas zahlen, gibt es für den Einzelnen wenig Anreiz, weniger zu verbrauchen. Viele denken dann, solange alle anderen heizen, brauche ich die Temperatur auch nicht zu regeln. Individuelle Heizkostenabrechnungen wurden bisher von der Politik vernachlässigt.

„Wie ein Feuer mit Benzin löschen“

Auch Markus Meier, Vorsitzender des Hauseigentümerverbandes, empfiehlt Liegenschaftsbesitzern, die Heizung abzustellen und Elektroherde zu benutzen. „Es ist, als würde man versuchen, ein Feuer mit Benzin zu löschen. Es geht um allgemeines Energiesparen.“ Dazu zählt der Gas-, Öl-, Strom- und sogar Wasserverbrauch. „Es ist absurd, den Energieverbrauch einfach auf ein anderes Medium zu verlagern.“

Meier appelliert an Mieter und Vermieter, zusammenzukommen und gemeinsam Lösungen zu finden, um den Energieverbrauch zu senken. „Deshalb haben wir uns sofort der Bundesaktion angeschlossen und geben Tipps, wie sich der Energieverbrauch im Wohnbereich senken lässt.“