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Steigende Netzentgelte: Bundesregierung senkt Strompreise mit milliardenschweren Subventionen

Stand: 05.10.2022 19:55

Für die meisten Stromverbraucher werden die Netzentgelte, die Teil des Strompreises sind, im kommenden Jahr steigen. Der Bund steuert 13 Milliarden Euro bei, um die Kosten für Verbraucher und Wirtschaft zu senken.

Die Netzentgelte vieler Stromverbraucher dürften im kommenden Jahr steigen. Die vier großen Netzbetreiber kündigten einen voraussichtlichen Preis von 3,12 Cent pro Kilowattstunde an, der erstmals bundesweit gelten soll.

Die Netzentgelte sind Teil des Strompreises, den die Verbraucher zahlen. Es besteht aus dem Strompreis selbst sowie Gebühren für die Nutzung großer nationaler Übertragungsnetze, lokaler Verteilernetze und anderer.

Wer im Einzugsgebiet des Netzbetreibers Tennet wohnt, der beispielsweise Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Teile von Hessen und Bayern beliefert, muss mit einer leichten Reduzierung der Netzentgelte rechnen. Dort müssen Sie noch 3,29 Cent pro kWh zahlen.

Allerdings liegen die Netzentgelte im Rest des Landes derzeit zwischen 2,94 und 3,04 Cent pro kWh, sie werden also steigen. Die vier großen Netzbetreiber – 50Hertz, Amprion, Transnet BW und Tennet – begründen die Preiserhöhung mit den prognostizierten höheren Kosten.

Kostensteigerungen sollen aufgefangen werden

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben sich die Kosten der Übertragungsnetze von fünf Milliarden auf 18 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Damit sich dadurch auch die Netzentgelte der Kunden mehr als verdreifachen, hat die Bundesregierung eine Entgeltsubvention mit 13 Milliarden Euro zugesagt. Auf diese Weise würden die Gebühren etwa auf dem aktuellen Niveau stabilisiert.

„Wir sorgen jetzt dafür, dass diese Kostensteigerungen aufgefangen werden und vermeiden so zusätzliche Belastungen für Industrieunternehmen, Mittelstand und Verbraucher. Wir werden knapp 13 Milliarden Euro zur Kostensenkung einsetzen. Dies geschieht im Zusammenhang mit der Strompreisbremse.“ und den Schutzschirm. Zur Zwischenfinanzierung greifen wir auf den Überschuss des EEG-Kontos zurück“, erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Mittelfristig will die Bundesregierung auch die Netzentgelte begrenzen, indem sie den Stromproduzenten große Windfall Profits wegnimmt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) forderte die Koalition auf, schnell eine gesetzliche Grundlage für die Subventionen zu schaffen. „Es ist richtig, dass für diesen Notfall öffentliche Unterstützung vorgesehen ist“, sagte Kerstin Andreae vom BDEW. Deutlich höhere Kosten würden andernfalls zu deutlich höheren Netzentgelten führen, die die Kunden zahlen müssten.

Auch die Verteilnetzentgelte dürften steigen

Neue Preise für die Nutzung lokaler Verteilnetze werden ebenfalls nächste Woche veröffentlicht. Auch hier sei mit einem Preisanstieg zu rechnen, hieß es in Industriekreisen. Haushaltskunden könnten etwa vier Cent pro kWh treffen, wenn der Bund nicht auch hier mit Fördermitteln eingreift.